Eine Patchwork-Familie birgt eine Reihe von Problemen, die in der so genannten Kernfamilie nicht vorhanden sind. Zwei verschiedene Familienkulturen kommen zusammen und wollen und müssen sich verbinden.

Alle Familienmitglieder sind ständig gefordert, sich um gegenseitiges Verständnis zu bemühen, Kompromisse auszuhandeln und Konflikte zu lösen. Vielen verschiedenen Bedürfnissen gerecht zu werden verlangt eine hohe Flexibilität, Toleranz, Nachsicht und Offenheit von allen Beteiligten. Im Alltag ähnelt das mitunter einem Spagat, der sehr viel Kraft, Durchhaltevermögenund Geduld erfordert.

In der systemischen Therapie mit Patchworkfamilien wird die Komplexität des Beziehungsgefüges besonders betrachtet. Hier lassen sich bis zu 8 Beziehungsebenen unterscheiden, die alle aufeinander einwirken und berücksichtigt werden müssen:

  1. Das neue Paar, die junge Liebe und zugleich zweite Ehe.
  2. Die Restfamilie, das Subsystem aus dem leiblichem Elternteil,
    das mit seinen Kindern weiter zusammenlebt.
  3. Die Beziehung neuer Partner/neue Partnerin und Stiefkindern.
  4. Die Beziehung der Kinder zum leiblichen, außerhalb lebenden Elternteil.
  5. Die Beziehung der Stief- und Halbgeschwister untereinander.
  6. Die Beziehung der Expartner zueinander.
  7. Vater – Mutter mit neuem gemeinsamen Kind/Kindern,
    das leibliche Dreieck innerhalb der Patchworkfamilie.
  8. Das zusammenlebende gesamte Patchworksystem aus Mutter, neuem Partner, (oder umgekehrt) leiblichen Kindern, Stief- und /oder Halbgeschwistern

Alle Beteiligten brauchen Geduld nicht nur mit den anderen, sondern auch mit sich selbst. Stief- oder Patchwork-Familien benötigen etwa fünf Jahre, um zusammenzuwachsen. Wenn das gelingt, dann bringt diese neue Familienform auch Vorteile:

Durch die höhere Zahl der wichtigen Bezugspersonen und durch die höhere Familiendynamik entwickeln solche Kinder ein höheres Maß an sozialer Kompetenz. Sie können leichter Kompromisse schließen und lernen zusätzliche Werte und Modelle für ihr Leben kennen. Kinder können sich gut mit der neuen Lebenssituation arrangieren, wenn sie spüren, dass die Erwachsenen im Reinen sind. Wichtig ist, wie die Personen der neuen und der alten Familie miteinander umgehen und dass der andere leibliche Elternteil den Kindern nicht verloren geht. Dann haben Stief- und Patchwork-Familien sehr gute Aussichten.